Kinder spielen Theater

(BVDS-Vorstand u.a., Frankfurt am Main, 15. November 2004)

Für die Stärkung eines Arbeitsfeldes der kulturellen Bildung von Kindern

Vom 28. bis 31. Oktober 2004 wurde in Rudolstadt unter dem Motto "Fantastisch" das 1. Deutsche Kindertheater-Fest ausgerichtet. Rund 140 Kinder nahmen mit ihren Spielleitern an dem bundesweiten Festival teil. Im Rahmen dieser Veranstaltung fand auch eine Fachtagung zum Thema "Kinder spielen Theater. Strukturmodelle, Methoden und Spielweisen" statt, an der sich weitere 50 Fachleute beteiligten.

Die Fachverbände - der Bund Deutscher Amateurtheater, die Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel & Theater, der Bundesverband Darstellendes Spiel, der Bundesverband Theaterpädagogik, die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung und das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland - verabschiedeten die folgende Resolution.

Theater mit Kindern muss zum unverzichtbaren Bestandteil ästhetischer Bildung werden – überall in Deutschland

Das Kind erlebt sich im Theaterspiel als handelndes Subjekt, das sich zu Menschen und zur Welt als Ich in Beziehung setzt. Dem Feld der ästhetischen Frühförderung kommt eine prägende Rolle zu, denn ästhetische Erfahrungen und die sinnlich-kreative Praxis sind Ausgangspunkt aller Selbst- und Welterfahrung. Die lebenslange Neugier auf Kunst und Kultur muss in der Kindheit geweckt und mit immer neuen Impulsen lebendig gehalten werden. Kulturelle Bildung als lebenslange Bildung setzt voraus, dass sie früh beginnt und damit als integraler Bestandteil von Bildung und leben erfahren wird. Dass Kinder Theater spielen, ist ein wichtiger Bestandteil der ästhetischen Bildung. "Kinder spielen Theater" heißt auch, dass Kinder Theater sehen und dass die Produktion und Rezeption von Kunst im Bildungsprozess untrennbar miteinander verbunden sind. Ästhetisch-kulturelle Bildung im Theaterspiel sollte sowohl als Lerninhalt erfahren als auch als Methode der Erfahrung von Welt und als Erkenntnisweg begriffen werden.

Theaterarbeit mit Kindern im Vorschul- und Grundschulalter muss gefördert werden - überall in Deutschland

Ein Ergebnis der Diskussionen im Rahmen des 1. Deutschen Kinder-Theater-Festes ist, dass die Theaterarbeit mit Kindern in Politik und Gesellschaft gegenwärtig kaum Beachtung findet. Die Verbände fordern deshalb: Theaterspiel muss als selbstverständlicher Bestandteil der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland allen Heranwachsenden offen stehen und wohnortnah zugänglich sein. Die curriculare Verankerung des Darstellenden Spiels in Kindertagesstätten, Grundschulen und weiterführenden Schulen bildet die Basis dieser Entwicklung. Darüber hinaus müssen für dieses wichtige Feld der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit Möglichkeiten geschaffen werden, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und darzustellen.

Kinder müssen Theater spielen können - überall in Deutschland

Ob in der Schule, im Theaterpädagogischen Zentrum, im Kinder- und Jugendtheater, in der Amateurtheatergruppe, in der Jugendkunstschule, in der Musikschule, im Jugendzentrum, in der Kirchengemeinde oder an einem anderen Ort, das Theaterspiel mit Kindern hat in Deutschland viele Orte. Vielfach reichen aber die Kapazitäten für dieses Feld der kulturellen Jugendbildung nicht aus, weshalb ganz auf das Theaterspiel verzichtet wird. Die Rahmenbedingungen müssen deshalb ausgebaut und verbessert werden. Wir fordern daher, für eine qualifizierte Theaterarbeit mit Kindern die finanziellen Grundlagen bereit zu stellen.

Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zielgruppenorientiert stärken

Ein Theaterpädagoge, der hervorragend mit Kindern arbeitet, muss nicht zwangsläufig ein guter Erwachsenenbildner sein. Daher sehen wir es als eine unabdingbare Notwendigkeit an, die Standards für eine solche Aus- und Weiterbildung auf der Grundlage unserer Erkenntnisse zur ästhetischen Eigenständigkeit und Spezifik des Theaters mit Kindern gemeinsam zu entwickeln und zu definieren. Die Qualifikation der Fortbildner als eine Voraussetzung für die gelingende Qualifikation von Spielleitern für das Theater mit Kindern muss als eine dringend notwendige mittelfristige infrastrukturelle Maßnahme in diesem Feld betrachtet werden.

Theater mit Kindern braucht Kooperation und Partnerschaft

Die Vertreter der bundesweit agierenden Verbände haben sich darauf verständigt, eine Ständige Konferenz "Kinder spielen Theater" einzurichten. Ziel dieser Konferenz ist es, langfristig die strukturellen Voraussetzungen und Bedingungen für die Theaterarbeit mit Kindern zu verbessern, die bereits bestehenden Angebote zu qualifizieren und vernetzen und so den Stellenwert des Theaterspiels mit Kindern in der Öffentlichkeit und in der Kultur-, Bildungs- und Jugendpolitik zu verbessern.