(Der Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft für das Darstellende Spiel in der Schule e.V., Travemünde, 23. November 1991)
Die Ansprüche von Arbeitsgesellschaft und Lebenswelt geraten immer mehr in Widerspruch zueinander. In dieser Situation kommt der ästhetischen Erziehung und kulturellen Bildung eine wachsende Bedeutung zu.
Darstellendes Spiel ist ein zentraler Bereich der ästhetischen Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Deshalb muss es in allen Schulformen und Schulstufen in Stundentafeln und Lehrplänen berücksichtigt werden.
Als eigenständiges Arbeitsfeld eröffnet das Darstellende Spiel Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, eigene Vorstellungen und Sichtweisen wie auch Erfahrungen aus dem Umgang und den Auseinandersetzungen mit der Realität in einen Gruppenprozess einzubringen. Ziel ist in der Regel ein gemeinsames Produkt, das in einer Aufführung einem Publikum dargeboten wird.
Das Darstellende Spiel geht von den darstellerischen Möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen aus, entwickelt sie weiter, bringt sie in eigene altersgemäße Formen und ermöglicht weiterwirkende Erfahrung.
Das Darstellende Spiel hat eigene Arbeitsmethoden und Gestaltungsprinzipien entwickelt, die Impulse aus künstlerischen, sozialen und kommunikativen Bereichen und deren Traditionen aufnehmen. Es lässt sich dabei auch vom professionellen Theater anregen.
Darstellendes Spiel hat verschiedene Ausprägungen:
Im Mittelpunkt des Darstellenden Spiels steht das handlungsorientierte, kreative Lernen. Nicht zuletzt fördert es damit auch soziale Kompetenz in einer defezitären Erfahrungs-(Um-)Welt.
Darstellendes Spiel verlangt nach einer eigenen professionellen Ausbildung in einem eigenständigen Studiengang an den Hochschulen. Im Mittelpunkt dieses Studiengangs steht die fachpraktische und methodisch-didaktische Arbeit in Projekten.
Darstellendes Spiel ist auf eine kontinuierliche Lehrerfort- und weiterbildung angewiesen. Durch sie können Neuerungen im künstlerischen und pädagogischen Bereich in die Schule integriert werden und die LehrerInnen ihre eigene Rolle und ihre spielpraktische Arbeit wirksam überprüfen und fortentwickeln.
Darstellendes Spiel wird sich an der Öffnung der Schule nach außen engagiert beteiligen. Als Partner haben sich hier vor allem die Theater bewährt. Mit ihnen und anderen Gruppen wie Institutionen gilt es, die bewährten Kooperationsformen weiterzuentwickeln und neue anzuregen.