(Mitgliederversammlung des BVDS, Schwerin, 19. November 2004)
I.
Das enorme Wachstum des Wissens und die raschen Veränderungen, die unser gesamtes Wissen und alle gesellschaftlichen Strukturen betreffen, machen lebenslanges Lernen unumgänglich. Der gesellschaftliche Wandel hat Familien und ihr soziales Umfeld tiefgreifend verändert, insbesondere im Hinblich auf deren Bedeutung für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Diese Entwicklungen sowie die zunehmende Notwendigkeit, Schüler aus Migrationsfamilien zu integrieren, fordern der Schule große Reformen ab.
Nicht nur Vermittlung von Wissen, sondern umfassende allgemeine Bildung wird künftig verstärkt im Zentrum der Schule stehen. Ihr kommt die Aufgabe zu, jungen Menschen Lebens-, Arbeits- und Erfahrungsräume zu schaffen, in welchen sie entwicklungs- und zukunftsfähig werden. Schüler sollen die individuellen, sozialen, fachlichen und methodischen Qualifikationen erwerben, die sie zu ihrer persönlichen Orientierung und gesellschaftlichen und beruflichen Integration benötigen. Sie erwerben in der Schule ein Fundament für ihre gegenwärtige und künftige Lebensgestaltung.
Dazu gehört als zentrales Element die kulturelle und ästhetische Bildung. Sie gehört wie die Wissenschaften zur allgemeinen Bildung und trägt entscheidend zur Aneignung der Schlüsselqualifikationen bei.
II.
Ästhetische Bildung vollzieht sich im Fach Darstellendes Spiel in besonderer Weise. Dieses Fach öffnet sich für die Gestaltung unterschiedlichster Stoffe, Themen und Lerngegenstände. Es motiviert durch seine Prozess-, Projekt- und Produktorientierung zu besonders hohen Leistungen.
Das Fach Darstellendes Spiel fördert durch seine ganzheitliche Arbeitsweise die individuelle Persönlichkeitsentwicklung, die soziale Kompetenz und die Ausbildung von Kreativität. Schultheater schärft den Blick für theatrale Formen in Alltag, Medien und Künsten und regt an, sich in diesen Formen auszudrücken. Die künstlerische Arbeit ermöglicht zudem die Reflexion sozialer Wirklichkeiten und deren Bezug auf die eigene Person.
Das Darstellende Spiel arbeitet handlungs-, erfahrungs- und wirkungsorientiert. Daher schafft es Raum für zukunftsweisende Formen der Unterrichtsgestaltung im Projektunterricht, fächerverbindendem Unterricht, in der Freiarbeit u.a.. Darstellendes Spiel trägt in besonderer Weise zur Förderung moderner Schulkultur und Schulentwicklung bei. Theaterprojekte fördern Gewalt- und Suchtprävention, die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen und Mitschülern mit geringen Deutschkenntnissen sowie den Spracherwerb und andere wichtige Bildungsziele.
III.
Das Verhältnis des Fachs Darstellendes Spiel zum professionellen Theater wird von vielen Gemeinsamkeiten bestimmt:
Ästhetische Gesetze und Ausdrucksformen gelten in gleicher Weise für das Darstellende Spiel und das professionelle Theater.
Das Fach Darstellendes Spiel und das professionelle Theater erstellen jeweils eigenständige künstlerische Produkte.
Nur durch fachkundigen Unterricht im Darstellenden Spiel und durch eigenständige schulische Theaterprojekte kann der allgemeine Bildungsanspruch der Schule für alle Kinder und Jugendlichen verwirklicht werden. Projekte mit Kulturinstutionen, kulturpädagogischen Einrichtungen oder Künstlern bereichern Theaterlehrer, Darstellendes Spiel, Schulkultur und andere Fächer, können diese aber nicht ersetzen.
IV.
Das Fach Darstellendes Spiel setzt eine grundständige Ausbildung voraus, die von Hochschulen und Studienseminaren geleistet wird.
Diese Ausbildung verfolgt das Ziel, Theaterlehrer für die Primarstufe, die Sekundarstufen I und II sowie alle besonderen Schulformen bereitzustellen. Theaterlehrer werden in systematischen Weiterbildungsprogrammen qualifiziert, solange nicht genügend Hochschulen einen Studiengang Darstellendes Spiel anbieten.
Das Fach Darstellendes Spiel fördert bereits während der Ausbildung und in späteren unterrichtlichen Zusammenhängen persönliche und berufliche Qualifikationen der Lehrer und ist daher eine sinnvolle und notwendige Erweiterung der allgemeinen Lehrerausbildung.