I. Schulentwicklung und Ästhetische Bildung
Ein Plädoyer: Theater als Fach und als Unterrichtsmethode für alle Referendare.
Die Notwendigkeit, Schule und das Bildungssystem weiter zu entwickeln, hat der Senator für Bildung in Bremen immer wieder deutlich gemacht.
Die Ursachen für das Gebot der Weiterentwicklung liegen auf der Hand: In einer sich rasch verändernden Welt muss sich auch das Bildungssystem einer Überprüfung und Veränderung sowohl der Bildungsinhalte wie auch der Unterrichtsmethoden stellen.
Insbesondere die im Beruf gestellten Anforderungen verändern das Persönlichkeitsprofil des jungen Menschen. Schlüsselqualifikationen sind gefordert: Kreativität, Teamfähigkeit, vernetzendes Denken, Sozial-, Erkundungs-, Handlungs-, Methoden- und Medienkompetenz; anders formuliert: eine Stärkung der Ich-Kompetenz, der Sach-Kompetenz und der Sozial-Kompetenz der Schülerinnen und Schüler.
Hier nun haben das Darstellende Spiel und - als Unterrichtsmethode - das Szenische Lernen eine hervorzuhebende Rolle. Als Unterrichtsmethode entwickelt das Szenische Lernen eine ganzheitliche Lernweise, die die ästhetische Dimension der Aneignung von Wissen und Können vertritt. Bildung und Lernen wird so von einer rein rezeptiven Aufnahme zum tätigen, kreativen, subjekt- und phantasieorientierten Handeln hin verändert.
Das Szenische Lernen stellt so eine wichtige Methode dar, die zielgerichtete und erzieherisch wirksame Formen der inhaltlichen Vermittlung entwickelt und wesentlich zur Förderung der Ich- und Sozial-Kompetenz beiträgt. Ein emotionales Erfahren von Lerninhalten tritt zu dem rein kognitiven Aspekt des Lernens hinzu.
Die LAG für das Darstellende Spiel hält es auf Grund der dargelegten Begründungen eines insgesamt zu verändernden Bildungskonzepts für unverzichtbar, dass Elemente des Darstellenden Spiels in die Ausbildung aller Referendare einfließen.
Zum Ausbildungskonzept der zweiten Phase der Lehrer-Ausbildung
Die hier angesprochenen unterschiedlichen Ausbildungsschwerpunkte (Ausbildung als Fach oder als Methode) lassen sich – wie das folgende Modulsystem zeigt – in einem gemeinsamen Ausbildungskonzept miteinander verbinden.
II. Ausbildungsmodule im Darstellenden Spiel
Erste Ausbildungsphase: Grundlagen
Die Module 1 – 3 sind verbindlich für alle Referendare, die sich im Darstellenden Spiel ausbilden lassen wollen, sei es im Fach oder als Unterrichtsmethode.
Modul 4 ist ausschließlich für den Bereich "Unterrichtsmethode" vorgesehen. Referendare, die aus der ersten Phase der universitären Ausbildung kommen und bereits über maßgebliche Fachkenntnisse verfügen, können diese unterrichtspraktisch ins Ausbildungsseminar einbringen und somit erste Unterrichtserfahrungen erwerben.
| Modul | Thema | Stunden |
| 1/1 | Miteinander ins Spiel kommen |
20 |
| 2/1 | Grundlagen des Szenischen Spiels I |
24 |
| 3/1 | Grundlagen des Szenischen Spiels II |
24 |
| 4/1 | Fächer- und problemspezifische Praxisarbeit |
16 |
Zweite Ausbildungsphase: Dramaturgie und Inszenierung
Die folgenden Module sind für Referendare verpflichtend, die sich für das Fach ausbilden lassen.
| Modul | Thema | Stunden |
| 4/2 | Inszenierung und Präsentation (wahlweise)
|
40 |
| 5/2 | Inszenierungs- und Aufführungsanalyse |
12 |
| 6/2 | Theorie und Didaktik |
30 |
| 7/2 | Unterrichtspraxis |
Umfang und Dauer
Der Umfang der Ausbildungsmaßnahme für das Fach Darstellendes Spiel beträgt ca. 150 Stunden (ohne Unterrichtspraxis) und soll mit der zweiten Staatsprüfung abgeschlossen sein. Die Weiterbildung für das Fach sollte allerdings mit dem Abschluss des Referendariats noch nicht beendet sein.
Weitere inhaltliche Schwerpunkte, die der Vertiefung der Fachkompetenz dienen, sollten mit einem Umfang von ca. 50 Stunden in einem Wahlbereich bzw. in der LehrerInnen-Fortbildung erworben werden.
Der Umfang der Ausbildungsmaßnahme "Darstellendes Spiel als Methode" umfasst ca. 84 Stunden und soll ebenfalls mit der zweiten Staatsprüfung abgeschlossen sein.