Grundsätzliche Kriterien
Zur Beobachtung und Beratung von Schultheater-Inszenierungen
Im Vorfeld des Landesschultheatertreffens 2004 gaben sich die verantwortlichen Juroren folgenden Kriterienkatalog, der als Entscheidungshilfe bei der Auswahl der Stücke für das Theatertreffen diente. Unabhängig von diesem ursprünglichen Zweck eignet er sich als gebündelter Kriterienkatalog für die Beurteilung jeglicher Schultheater-Inszenierung.
Das Stück (und seine Thematik)
- sollte (gleichgültig ob Literatur oder Eigenproduktion) spürbar eine Relevanz für die Gruppe haben. Es sollte die Gruppe deutlich "berühren".
- Die Gruppe sollte Auskunft über das Inszenierungskonzept geben können. Das Konzept sollte überzeugend und wirksam sein.
- War die Gruppe an der Konzeption erkennbar beteiligt (Ensemble-Leistung) oder handelt es sich um Regietheater des Spielleiters?
Die Inszenierung
- sollte auch den Zuschauer "berühren". D. H. sie sollte einen Reiz auf ihn ausüben (im Sinne von Interesse, Spannung, Lachen, Rührung, Betroffenheit, Widerspruch oder Wut).
- sollte eine erkennbare Dramaturgie haben (Aufbau, Spannungsbögen).
- Wie werden literarische Vorlagen umgesetzt (Striche, Adaptionen, Aktualisierungen)?
- Inwieweit kommen "nonverbale" Mittel (Mimik, Gestik, Körpersprache, Bilder, Choreographie) zur Wirkung?
Die theatralen Gestaltungsmittel
(wie Kostüme, Requisiten, Kulissen, Licht, Ton, Musik, Bewegung, Choreographie, Stimme, Sprache, Gesang, Spielfläche) sollten sinnvoll genutzt sein und nicht nur um ihrer selbst willen wirken. Es sollten erkennbae Überlegungen dahinter stecken, die einen Bezug zur Thematik des Stückes und seinem Inszenierungskonzept haben.
Die Spieler / die Gruppe
- sollte(n) eine innere Beziehung zum Stück und zu ihren Rollen haben und in der Lage sein darüber zu reflektieren. Das Ergebnis der Relexion sollte zu sehen sein.
- sollte(n) "Präsenz" haben. Ihr Spiel sollte "authentisch", glaubwürdig, überzeugend wirken (Rollenidentifikation).
- Der Zuschauer sollte durch Mimik, Gestik, Bewegung, Stimme usw. angesprochen werden.
- Die Ausdrucksmittel des Einzelnen und das Zusammenspiel der Gruppe sollten für die Bühnendimensionen angemessen und wirksam sein (d. h. "über die Rampe kommen").
- Die Gruppe sollte insgesamt Lebendigkeit und Kreativität zeigen und weder überfordert noch unterfordert wirken.